Jedes der folgenden Beispiele besteht aus drei Teilen: dem Originaltext, einer wörtlichen Glosse, die die Funktion jedes Wortes beschreibt, und einer natürlichen Übersetzung. Damit die Glossen kurz bleiben, werden einige Kurzbezeichnungen verwendet. Du musst sie nicht auswendig lernen – das hier ist eine Referenz, zu der du jederzeit zurückkehren kannst. Person und Numerus · 1sg / 2sg / 3sg – erste / zweite / dritte Person Singular (ich, du, er/sie/es) · 1pl / 2pl / 3pl – erste / zweite / dritte Person Plural (wir, ihr, sie) Genus und Kasus · m / f / n – Maskulinum / Femininum / Neutrum · sg / pl – Singular / Plural · m.sg – kombiniert: Maskulinum Singular (entsprechend f.pl, n.sg usw.) · NOM / ACC / GEN / DAT / INS / LOC – grammatische Kasus (Nominativ/Akkusativ/Genitiv/Dativ/Instrumental/Lokativ) – welche Rolle das Wort im Satz spielt Tempus und Aspekt · PRES – Präsens · PRET – Präteritum (eine abgeschlossene Handlung in der Vergangenheit) · IMPF – Imperfekt (eine andauernde oder gewohnheitsmäßige Situation in der Vergangenheit) · FUT – Futur · PERF – Perfekt (eine abgeschlossene Handlung mit Gegenwartsbezug) · PROG – Verlaufsform (Handlung im Verlauf, z. B. am Essen sein) · COND – Konditional (würde…) Modus · IND – Indikativ (normale Aussage) · SUBJ – Konjunktiv (Unsicherheit, Wünsche, Zweifel) · IMP – Imperativ (Befehle) · INF – Infinitiv (Wörterbuchform: gehen, essen) Sonstiges · REFL – reflexiv (Handlung auf sich selbst: mich, dich) · PERS – persönliches a (nur Spanisch – markiert ein menschliches direktes Objekt) · HON – Honorativ (besonders höfliche Form, häufig im Japanischen/Koreanischen) · TOP / SUB / OBJ – Themen-/Subjekt-/Objektmarker (Japanisch, Koreanisch) · CL – Klassifikator (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch – ein Zählwort für Nomen) · NEG – Negation
Die grundlegende Wortstellung des Portugiesischen ist Subjekt-Verb-Objekt (SVO), genau wie im Englischen. Wie seine romanischen Verwandten ist Portugiesisch eine Pro-Drop-Sprache: Das Subjektpronomen wird in der Regel weggelassen, weil die Verbendung die Person bereits anzeigt. Wird das Pronomen gesetzt, dient es der Betonung oder der Verdeutlichung (besonders in der dritten Person, in der ele/ela/você dieselbe Verbform teilen). Adverbien und Präpositionalphrasen lassen sich relativ frei verschieben; das Subjekt kann auch hinter dem Verb stehen, vor allem bei intransitiven Verben (Chegou o trem). Die Stellung von Objekt- und Klitik-Pronomen folgt jedoch strengen Regeln, die sich zwischen brasilianischem (BR) und europäischem (PT) Gebrauch unterscheiden.
Artikel kongruieren mit dem Nomen in Genus (Maskulinum/Femininum) und Numerus. Bestimmt („der/die/das“): o (m.sg), a (f.sg), os (m.pl), as (f.pl). Unbestimmt („ein/eine/einige“): um (m.sg), uma (f.sg), uns (m.pl), umas (f.pl). Im Portugiesischen werden Artikel obligatorisch mit den Präpositionen de, em, a, por verschmolzen: de+o=do, de+a=da, em+o=no, em+a=na, a+o=ao, a+a=à (mit Gravis), por+o=pelo, por+a=pela. Der bestimmte Artikel steht in der Umgangssprache auch vor Eigennamen (besonders in PT und im Süden Brasiliens: o João, a Maria) sowie in PT vor Possessivpronomen (o meu livro), während BR ihn meist weglässt (meu livro).
Subjekt: eu, tu (PT, vertraut) / você (BR, neutral), ele/ela, nós / a gente (BR umgangssprachlich), vós (archaisch) / vocês, eles/elas. Direktes Objekt: me, te, o/a, nos, vos, os/as. Indirektes Objekt: me, te, lhe, nos, vos, lhes. Reflexiv: me, te, se, nos, vos, se. Die Stellung ist der zentrale Unterschied zwischen BR und PT: BR bevorzugt deutlich die Proklise (Pronomen vor dem Verb, selbst am Satzanfang: Me chamo Ana), während PT in neutralen Aussagesätzen die Enklise verlangt (Chamo-me Ana) und die Proklise nur nach Auslösern wie Negation, Subjunktoren oder W-Wörtern (Não me chamo Ana). In der gesprochenen BR-Sprache werden o/a/lhe der dritten Person oft durch ele/ela ersetzt oder ganz weggelassen.
Jedes Nomen ist entweder maskulin oder feminin. Typische Endungen: -o ist meist maskulin (livro, carro), -a meist feminin (casa, mesa); -agem, -dade, -ção sind feminin (viagem, cidade, nação); -ma griechischen Ursprungs ist maskulin (problema, sistema). Adjektive kongruieren in Genus und Numerus mit dem Nomen und stehen in der Regel dahinter: um livro novo, uma casa nova, livros novos, casas novas. Manche Adjektive bleiben im Genus unveränderlich (-e, -l, -z: inteligente, fácil, feliz) und markieren nur den Numerus. Einige Adjektive ändern je nach Position ihre Bedeutung: um grande homem (ein großer Mann im Sinne von bedeutend) vs. um homem grande (ein körperlich großer Mann). Auch als Adjektive verwendete Partizipien Perfekt kongruieren.
Infinitive enden auf -ar (1. Konjugation: falar), -er (2.: comer) oder -ir (3.: partir). Die Endungen kodieren Person, Numerus, Tempus, Modus und Aspekt – und machen das Subjektpronomen meist überflüssig. Bekannt ist, dass das Portugiesische einen persönlichen Infinitiv (für das Subjekt flektiert) bewahrt hat, der im Spanischen und Französischen fehlt. Wichtige unregelmäßige Verben zum Merken: ser („sein“, essenziell/dauerhaft), estar („sein“, Zustand/Ort), ter („haben“, auch Hilfsverb für zusammengesetzte Zeiten), ir („gehen“, Hilfsverb für das periphrastische Futur), haver („es gibt“, existenziell und als archaisches Perfekthilfsverb), fazer („tun/machen“), dizer („sagen“), poder („können“), querer („wollen“), ver („sehen“), vir („kommen“). Auch viele -ir-Verben weisen Stammwechsel auf (dormir: durmo, dormes …).
Das presente do indicativo beschreibt gewohnheitsmäßige Handlungen, allgemeine Wahrheiten und – anders als das englische Simple Present – auch Handlungen, die gerade jetzt ablaufen. Endungen: -ar-Verben nehmen -o, -as, -a, -amos, -ais, -am; -er-Verben -o, -es, -e, -emos, -eis, -em; -ir-Verben -o, -es, -e, -imos, -is, -em. Die tu-Form ist in PT und in Teilen Brasiliens lebendig; sonst ersetzt BR sie durch você + Verb in der 3. Person Singular. Um eine laufende Handlung hervorzuheben, verwendet das Portugiesische estar + Gerundium (BR: estou falando) oder estar a + Infinitiv (PT: estou a falar). Das Präsens kann auch geplante Ereignisse in naher Zukunft ausdrücken: Amanhã viajo para o Rio („Ich reise morgen nach Rio“).
Das Portugiesische unterscheidet zwei wichtige einfache Vergangenheitsformen. Das pretérito perfeito (simple) berichtet von abgeschlossenen, abgegrenzten Handlungen: „ich aß“, „wir kamen an“. Endungen: -ar -ei, -aste, -ou, -amos/-ámos, -astes, -aram; -er/-ir -i, -este, -eu/-iu, -emos/-imos, -estes, -eram. Das pretérito imperfeito beschreibt andauernde, gewohnheitsmäßige oder den Hintergrund bildende Zustände in der Vergangenheit: „ich pflegte zu essen“, „es regnete“. Endungen: -ar -ava, -avas, -ava, -ávamos, -áveis, -avam; -er/-ir -ia, -ias, -ia, -íamos, -íeis, -iam. Hinweis: Das portugiesische „falei“ deckt sowohl das englische „I spoke“ als auch „I have spoken“ ab – das zusammengesetzte „tenho falado“ hat die besondere Bedeutung „ich habe in letzter Zeit (wiederholt) gesprochen“.
Das Portugiesische hat zwei wichtige Futurformen. Das synthetische Futur (futuro do presente) hängt die Endungen an den vollständigen Infinitiv: -ei, -ás, -á, -emos, -eis, -ão (falarei, falarás, falará …). Es klingt formell/schriftsprachlich; in der gesprochenen Sprache bevorzugen sowohl BR als auch PT die periphrastische Form ir + Infinitiv: vou falar („ich werde sprechen“). Das synthetische Futur drückt auch eine Vermutung in der Gegenwart aus (Será verdade? „Ob es wohl wahr ist?“). Das Konditional (futuro do pretérito), gebildet mit demselben Stamm und den Endungen -ia, -ias, -ia, -íamos, -íeis, -iam (falaria), drückt hypothetische Situationen aus. Eine Handvoll Verben hat verkürzte Futurstämme: dizer -> direi, fazer -> farei, trazer -> trarei.
Wie im Spanischen gibt es im Portugiesischen zwei Verben für „sein“. Ser drückt wesentliche, definierende oder dauerhafte Eigenschaften aus: Identität, Herkunft, Beruf, Nationalität, Material, Zeit/Datum, Besitz (Sou médico, É de Lisboa, A mesa é de madeira). Estar drückt Zustände, Befindlichkeiten, Orte und zeitlich begrenzte Situationen aus (Estou cansado, A chave está na mesa). Der Gegensatz entspricht oft dem Unterschied zwischen „ist“ und „ist gerade/fühlt sich“: Ele é nervoso = er ist ein nervöser Mensch; Ele está nervoso = er ist gerade nervös. Der dauerhafte Standort von Gebäuden/Städten wird mit ficar oder ser ausgedrückt (Lisboa fica em Portugal). Estar ist außerdem das Hilfsverb für die Verlaufsform (estar + Gerundium / a + Infinitiv).
Die Standardnegation setzt não direkt vor das Verb (oder vor ein angehängtes Klitik-Pronomen): Não falo inglês. Objektpronomen stehen bei Proklise zwischen não und dem Verb: Não me viu. Das Portugiesische verwendet die doppelte Negation problemlos, wenn ein negatives Wort auf das Verb folgt: Não vi ninguém („Ich habe niemanden gesehen“ – wörtlich „nicht sah niemand“); Não tenho nada. Steht das negative Wort vor dem Verb, entfällt não: Ninguém veio. In der brasilianischen Umgangssprache ist ein verstärkendes não am Satzende verbreitet: Não sei não („Ich weiß es wirklich nicht“). Weitere Negationen: nunca (nie), jamais (niemals/je), nada (nichts), nenhum/-a (kein, keine), nem (auch nicht, nicht einmal).
Entscheidungsfragen werden einfach durch eine steigende Intonation gebildet; die Wortstellung bleibt SVO. Você fala português? Eine Subjekt-Verb-Inversion ist nicht erforderlich (in der Schriftsprache aber möglich). Ergänzungsfragen verwenden Fragewörter: o que / que (was), quem (wer), onde (wo), quando (wann), como (wie), por que (warum; in BR je nach Position auch porque/por quê/porquê geschrieben; PT schreibt porquê), quanto/-a (wie viel), qual / quais (welcher/welche). BR setzt häufig die fokussierende Wendung „é que“ hinter das Fragewort: Onde é que você mora? („Wo wohnst du?“). Die schlichte Form Onde você mora? ist ebenfalls korrekt. Echo- und Tag-Fragen verwenden não é? (in BR häufig als „né?“ ausgesprochen).
Die meisten Nomen bilden den Plural durch Anhängen von -s: livro -> livros, casa -> casas. Nomen auf -r, -s, -z hängen -es an: mulher -> mulheres, mês -> meses, luz -> luzes. Die meisten auf -m ändern -m zu -ns: homem -> homens, jardim -> jardins. Nomen auf -al, -el, -ol, -ul lassen das -l fallen und hängen -is an: animal -> animais, papel -> papéis, lençol -> lençóis, paul -> pauis. Betontes -il wird zu -is (funil -> funis); unbetontes -il wird zu -eis (fácil -> fáceis). Nomen auf -ão haben drei Pluralmuster: -ões (das häufigste: canção -> canções), -ães (pão -> pães) und -ãos (mão -> mãos) – diese müssen auswendig gelernt werden.
Reflexive Verben nehmen ein Pronomen (me, te, se, nos, vos, se), das auf das Subjekt zurückverweist. Viele beschreiben Alltagsroutinen: chamar-se (heißen), levantar-se (aufstehen), deitar-se (sich hinlegen/zu Bett gehen), lavar-se (sich waschen), vestir-se (sich anziehen), sentar-se (sich setzen), lembrar-se (sich erinnern), esquecer-se (vergessen). Im Infinitiv wird das Klitikon meist mit Bindestrich angehängt zitiert. In tatsächlichen Sätzen unterscheidet sich die Stellung wieder je nach Variante: BR bevorzugt die Proklise (Eu me chamo Pedro), PT die Enklise in neutralen Aussagesätzen (Eu chamo-me Pedro). Nach Verneinungen, Konjunktionen und Fragewörtern verwenden beide Varianten die Proklise: Não me lembro. Reziproke Reflexive bedeuten „einander“: Eles se amam / amam-se.
Das System der 2. Person variiert stark nach Region. PT bewahrt tu (informell Singular) mit eigenen Verbformen der 2. Person (tu falas) und verwendet você als höfliche/formelle Alternative. BR hat tu weitgehend verloren (außer im Süden und Nordosten, oft mit Verben in der 3. Person Singular: tu fala) und verwendet você als universelles „du/Sie“. Die formelle Anrede in beiden Varianten lautet o senhor / a senhora („mein Herr/meine Dame“), stets mit Verben in der 3. Person: O senhor pode me ajudar? Die Klitikstellung (me, te, se, lhe, o/a …) ist der größte Unterschied der Schriftgrammatik: In BR ist die Proklise überall der Standard; in PT ist die Enklise der Standard, wobei die Proklise durch Negation, Subjunktoren, Fragewörter, bestimmte Adverbien (já, sempre, talvez) und Indefinita ausgelöst wird. Nach Futur-/Konditionalverben schiebt PT das Klitikon in die Verbmitte (Mesoklise) ein: dar-lhe-ei („ich werde ihm/ihr geben“).
Das Portugiesische verfügt über eine reiche Palette an Nasalvokalen, die mit Tilde (ã, õ) oder durch einen Vokal gefolgt von m oder n in der Silbenkoda (sim, bom, dente) geschrieben werden. Nasalierte Vokale werden durch die Nase ausgesprochen, ohne den Mund vollständig zu schließen – ein „ng“-Konsonant wie im Englischen wird am Ende nicht ausgesprochen. Der Diphthong ão (wie in pão, não) ist der charakteristischste Laut: ein stark nasaliertes „au“-Gleitlaut. Sein Plural ões (canções) und das feminine ã (maçã, irmã) weisen dieselbe nasale Qualität auf. Weitere wichtige Nasaldiphthonge: ãe (mãe, pães), õe (põe), ui (muito wird „muĩtu“ ausgesprochen). Die Beherrschung der Nasalvokale ist unerlässlich: pão (Brot) vs. pau (Stock), não (nein) vs. nau (Schiff) unterscheiden sich nur durch die Nasalierung.