Das Chinesische hat kein Alphabet: jedes Wort wird mit einem oder mehreren Schriftzeichen (汉字, hànzì) geschrieben, wobei jedes Zeichen für eine Silbe mit einer Bedeutung steht. Es gibt Tausende; für die tägliche Lektüre braucht man etwa 2.000-3.000.
Pinyin ist die offizielle Romanisierung, die zur Vermittlung der Aussprache verwendet wird. Es sieht aus wie lateinische Buchstaben, aber mehrere haben ungewöhnliche Lautwerte: · c = ts (wie in Katze) · q = tsch mit weiter hinten liegender Zunge · x = sch, aber leichter, Zunge an den unteren Zähnen · zh = dsch wie in Dschungel · ch = englisches ch mit zurückgerollter Zunge · sh = englisches sh mit zurückgerollter Zunge · r = wie englisches r in raw mit gerollter Zunge
Töne verändern die Bedeutung. Mandarin hat vier Töne plus einen neutralen Ton. Dieselbe Silbe ma bedeutet mit unterschiedlichen Tönen verschiedene Wörter: · 1. Ton (mā, ˉ): hoch, gleichbleibend, wie ein gehaltener Gesangston. 妈 = Mutter · 2. Ton (má, ´): steigend, wie eine Nachfrage hä?. 麻 = Hanf · 3. Ton (mǎ, ˇ): fällt zuerst, dann steigt er, wie ein zögerliches naja…. 马 = Pferd · 4. Ton (mà, `): scharf fallend, wie ein ärgerliches nein!. 骂 = schimpfen · Neutral (ma): kurz und unbetont, in Partikeln wie der Fragepartikel 吗 verwendet.
Den Ton eines Wortes zu lernen ist genauso wichtig wie die Konsonanten und Vokale zu lernen.
Jedes Beispiel unten besteht aus drei Teilen: dem Originaltext, einer wörtlichen Glossierung, die zeigt, wie jedes Wort funktioniert, und einer natürlichen Übersetzung. Die Glossen verwenden einige Kurzkennzeichnungen, damit sie knapp bleiben. Du musst sie nicht auswendig lernen: dies ist ein Nachschlagewerk, zu dem du jederzeit zurückkehren kannst.
Person und Numerus · 1sg / 2sg / 3sg: erste / zweite / dritte Person Singular (ich, du, er/sie/es) · 1pl / 2pl / 3pl: erste / zweite / dritte Person Plural (wir, ihr, sie)
Genus und Kasus · m / f / n: maskulin / feminin / neutrum · sg / pl: Singular / Plural · m.sg: kombiniert: maskulin Singular (entsprechend auch f.pl, n.sg usw.) · NOM / ACC / GEN / DAT / INS / LOC: grammatische Kasus (Nominativ/Akkusativ/Genitiv/Dativ/Instrumental/Lokativ): welche Rolle das Wort im Satz spielt
Tempus und Aspekt · PRES: Präsens · PRET: Präteritum (ein abgeschlossenes Ereignis in der Vergangenheit) · IMPF: Imperfekt (eine andauernde oder gewohnheitsmäßige Situation in der Vergangenheit) · FUT: Futur · PERF: Perfekt (eine abgeschlossene Handlung mit Bezug zur Gegenwart) · PROG: Verlaufsform (laufende Handlung, z. B. bin gerade am Essen) · COND: Konditional (würde…)
Modus · IND: Indikativ (normale Aussage) · SUBJ: Konjunktiv/Subjunktiv (Unsicherheit, Wünsche, Zweifel) · IMP: Imperativ (Befehle) · INF: Infinitiv (Grundform: gehen, essen)
Sonstiges · REFL: reflexiv (Handlung auf sich selbst: mich, dich) · PERS: persönliches a (nur Spanisch: markiert ein menschliches direktes Objekt) · HON: Honorativ (besonders höfliche Form, häufig im Japanischen/Koreanischen) · TOP / SUB / OBJ: Topik- / Subjekt- / Objekt-Marker (Japanisch, Koreanisch) · CL: Klassifikator (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch: ein Zählwort für Nomen) · NEG: Negation
Chinesisch wird mit Han-Schriftzeichen (汉字 hànzì) geschrieben: logographische Zeichen, bei denen jedes Zeichen für eine Silbe und eine Bedeutung steht, nicht für einen phonetischen Buchstaben. Es gibt KEIN Alphabet: Man buchstabiert Wörter nicht aus Buchstaben, sondern lernt jedes Zeichen als Einheit. Um die Aussprache in lateinischer Schrift wiederzugeben, verwendet das moderne Chinesisch Pinyin, das offizielle Romanisierungssystem, das Silben mit vertrauten Buchstaben und Tonzeichen schreibt. Mandarin hat vier lexikalische Töne plus einen neutralen Ton, und der Ton ist Teil des Wortes: mā, má, mǎ, mà, ma sind fünf verschiedene Silben mit unterschiedlichen Bedeutungen. Es gibt zwei Hauptzeichensätze: Vereinfachtes Chinesisch, das auf dem Festland und in Singapur verwendet wird, und Traditionelles Chinesisch, das in Taiwan, Hongkong und Macau verwendet wird.
Pinyin ist die offizielle Romanisierung des Mandarin. Jede Silbe besteht aus drei Teilen: einem optionalen Anlaut (Konsonant), einem Auslaut (Vokal oder Vokal + Nasal) und einem Ton. Pinyin zu beherrschen bedeutet, diese drei Schichten zu beherrschen, dazu noch einige Buchstaben, die NICHT wie ihre englischen Entsprechungen klingen.
Die vier Töne (plus Neutralton)
| Ton | Zeichen | Tonverlauf | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| 1. | ā / mā | hoch, eben | mā 妈 | Mutter |
| 2. | á / má | steigend | má 麻 | Hanf |
| 3. | ǎ / mǎ | fällt, dann steigt | mǎ 马 | Pferd |
| 4. | à / mà | scharf fallend | mà 骂 | schimpfen |
| neutral | a / ma | kurz, unbetont | ma 吗 | Fragepartikel |
Der Ton ist Teil des Wortes: mǎi 买 (kaufen) und mài 卖 (verkaufen) unterscheiden sich nur im Ton, ebenso shū 书 (Buch) und shǔ 鼠 (Ratte). Eine häufige Sandhi-Regel: Treffen zwei 3. Töne aufeinander, wird der erste zum 2. Ton, also wird 你好 (nǐ + hǎo) als ní hǎo ausgesprochen.
Anlaute (Konsonanten)
| Gruppe | Anlaute | Aussprachehinweis |
|---|---|---|
| Labiale | b, p, m, f | b ist nicht aspiriertes p (wie englisch spy); p ist aspiriert (wie pie) |
| Alveolare | d, t, n, l | d ist nicht aspiriertes t; t ist aspiriert |
| Velare | g, k, h | g ist nicht aspiriertes k; h ist rauer als englisches h, ähnlich deutschem ach |
| Sibilanten | z, c, s | z = ts in Katze (nicht aspiriert); c = ts in Katze (aspiriert); s = deutsches s |
| Retroflexe | zh, ch, sh, r | Zunge nach hinten gerollt; zh = dsch in Dschungel; ch = tsch in Tschüss; sh = sch in Schuh; r wie englisches r, aber stärker gerollt |
| Palatale | j, q, x | Zunge an den Unterzähnen; j = weiches j; q = aspiriertes weiches tsch; x = weiches sch |
| Gleiter | y, w | Halbvokale |
Auslaute (Vokale und Vokal + Nasal-Endungen)
| Einfach | Komplex | -n-Endungen | -ng-Endungen |
|---|---|---|---|
| a, o, e, i, u, ü | ai, ei, ao, ou | an, en, in, un, ün | ang, eng, ing, ong |
| ia, ie, iao, iu, ua, uo, uai, ui | ian, uan, uen | iang, iong, uang, ueng |
Der Vokal ü (nach j, q, x, y als u geschrieben) entspricht dem deutschen ü: Lippen für u runden, aber i sprechen. Wer u statt ü sagt, wird missverstanden: lǜ 绿 (grün) ist nicht dieselbe Silbe wie lù 路 (Straße).
Typische Fehler für Deutschsprachige
| Pinyin | Häufiger Fehler | Richtig |
|---|---|---|
| q | wie deutsches k oder kw | weiches tsch (vorne im Mund) |
| x | wie deutsches ks | weiches sch (vorne im Mund) |
| zh / ch / sh | flach wie dsch / tsch / sch | Zunge nach hinten rollen |
| r | wie deutsches r | retroflex; ähnelt einem summenden dsch |
| c | wie deutsches k oder s | ts mit kräftigem Luftstoß |
| e (allein) | wie deutsches e | hinterer, ungerundeter Vokal, ähnelt uh |
| ian | wie ie-an | ie-en (das a hebt sich vor n) |
Vereinfacht vs. Traditionell. Mandarin kann in zwei Zeichensätzen geschrieben werden. Vereinfacht (简体字 jiǎntǐzì) wird in Festlandchina und Singapur verwendet; viele Zeichen wurden in den 1950er und 1960er Jahren in ihrer Strichzahl reduziert. Traditionell (繁體字 fántǐzì) wird in Taiwan, Hongkong und Macau verwendet und bewahrt die älteren Formen. Grammatik, Aussprache und Pinyin sind identisch: 學 (traditionell) und 学 (vereinfacht) sind beide xué und bedeuten beide studieren/lernen. Dieser Leitfaden verwendet Vereinfachtes Chinesisch.
Der Standard-Mandarin-Satz folgt der Reihenfolge Subjekt-Verb-Objekt, genau wie im Englischen: ‚Ich esse Reis.' Allerdings ist Chinesisch zugleich eine stark topikprominente Sprache. Sprecher stellen sehr oft das, worüber sie sprechen wollen, an den Satzanfang und machen dann einen Kommentar dazu. Das Topik ist nicht zwangsläufig das grammatische Subjekt: es kann das Objekt, eine Zeitangabe oder ein Ort sein. Deshalb wirkt Chinesisch ‚flexibel', obwohl das grundlegende SVO starr ist: Sprecher ordnen zur Hervorhebung um, nicht aus grammatischen Gründen. Adverbien, Zeitangaben und Ortsangaben stehen fast immer VOR dem Verb, nicht danach. Die Topik-Kommentar-Struktur zu erkennen ist entscheidend, um echtes gesprochenes Mandarin zu verstehen.
Chinesisch kennt kein ‚ein/eine/der/die/das'. Bestimmtheit ergibt sich aus dem Kontext, der Wortstellung oder den Zählwörtern. Noch revolutionärer für Deutschsprachige: Verben und Nomen ändern NIEMALS ihre Form. Es gibt keine Konjugation nach Person, Numerus, Tempus oder Modus. 吃 (chī, ‚essen') ist dieselbe Form, egal ob das Subjekt ich, du, er, wir oder sie ist und egal ob die Handlung gestern, heute oder morgen stattfindet. Nomen werden nicht für Singular oder Plural markiert. Es gibt kein grammatisches Geschlecht. Was Deutsch in Endungen packt, drückt Chinesisch mit eigenen Wörtern aus: Zeitangaben, Aspektpartikeln, Zählwörtern und Kontext. Wenn man das einmal verinnerlicht hat, wirkt die Sprache deutlich weniger einschüchternd.
Pronomen sind erfrischend einfach und regelmäßig. Singular: 我 (wǒ) ‚ich/mich', 你 (nǐ) ‚du/dich', 他 (tā) ‚er/ihn', 她 (tā) ‚sie', 它 (tā) ‚es'. Beachte, dass er/sie/es alle ‚tā' ausgesprochen werden: nur das Schriftzeichen unterscheidet sich. Der Plural wird durch Anhängen von 们 (men) gebildet: 我们 (wǒmen) ‚wir', 你们 (nǐmen) ‚ihr', 他们 (tāmen) ‚sie'. Es gibt keine Unterscheidung zwischen Subjekt- und Objektpronomen (‚ich' und ‚mich' sind beide 我) und keine Possessivform: Besitz wird durch Hinzufügen von 的 (de) gebildet: 我的 (wǒ de) ‚mein'. Die höfliche Anrede ist 您 (nín), die für Ältere, Kunden und formelle Anreden verwendet wird.
Jedes zählbare Nomen im Chinesischen verlangt zwischen der Zahl bzw. dem Demonstrativpronomen und dem Nomen ein Zählwort (Klassifikator). Man kann nicht ‚drei Buch' sagen: man muss ‚drei [Klassifikator] Buch' sagen. Der Klassifikator hängt von der Form oder Kategorie des Nomens ab. 个 (gè) ist der universelle Standard: im Zweifelsfall benutzt man es (Personen, abstrakte Dinge, viele Objekte). 只 (zhī) wird für die meisten Tiere und für eines von einem Paar verwendet. 本 (běn) wird für gebundene Dinge benutzt: Bücher, Zeitschriften, Wörterbücher. 杯 (bēi) bedeutet ‚Tasse/Glas' (für Getränke). 张 (zhāng) wird für flache, blattförmige Gegenstände verwendet: Papier, Tickets, Tische, Betten, Fotos. Zählwörter erscheinen auch nach 这 (dieses) und 那 (jenes).
Verben haben EINE Form. 去 (qù, ‚gehen') ist 去, egal ob das Subjekt ich, du, wir oder sie ist und egal ob die Handlung in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft liegt. Um anzugeben, wann etwas geschieht, verwendet Mandarin zwei Strategien: (1) Zeitangaben, die vor das Verb gestellt werden (昨天 ‚gestern', 现在 ‚jetzt', 明天 ‚morgen'), und (2) Aspektpartikeln, die an das Verb angehängt werden (siehe nächster Abschnitt). Wichtig: Aspekt ist NICHT Tempus: er kennzeichnet, ob eine Handlung abgeschlossen, erfahren, andauernd usw. ist, nicht wann sie geschehen ist. Ein nacktes Verb ohne Zeitangabe und ohne Aspektpartikel wird häufig als gewohnheitsmäßig oder als allgemeingültige Aussage verstanden. Der Kontext leistet vieles, was in europäischen Sprachen die Konjugation übernimmt.
Da chinesische Verben niemals ihre Form ändern, ist jeder Grundsatz schlicht Subjekt + Verb (+ Objekt). Dieselbe Verbform gilt für jede Person und Zahl; es gibt kein -s für die dritte Person und keine Infinitivendung. Man vergleiche dieses Paradigma mit den englischen/spanischen Entsprechungen: Während das Spanische sechs verschiedene konjugierte Formen hat, verwendet Mandarin durchgehend die eine Grundform.
| Subjekt | + Verb (chī 吃 = essen) | Übersetzung |
|---|---|---|
| 我 wǒ | 我吃 wǒ chī | ich esse |
| 你 nǐ | 你吃 nǐ chī | du isst |
| 他 / 她 / 它 tā | 他吃 tā chī | er / sie / es isst |
| 我们 wǒmen | 我们吃 wǒmen chī | wir essen |
| 你们 nǐmen | 你们吃 nǐmen chī | ihr esst |
| 他们 / 她们 tāmen | 他们吃 tāmen chī | sie essen |
Auch die Verneinung ist einheitlich: 不 (bù) vor das Verb für habituelle, zukünftige oder stative Verneinung, und 没 (méi) vor das Verb für Handlungen, die nicht stattgefunden haben. Ja/Nein-Fragen hängen einfach 吗 (ma) ans Ende oder verwenden die A-nicht-A-Form (吃不吃? chī bu chī, essen oder nicht essen). Das Verb selbst bleibt in allen Fällen unverändert.
| Muster | Beispiel | Übersetzung |
|---|---|---|
| Bejahend | 我喝水 wǒ hē shuǐ | Ich trinke Wasser |
| Verneinung (habituell) | 我不喝水 wǒ bù hē shuǐ | Ich trinke kein Wasser |
| Verneinung (Vergangenheit) | 我没喝水 wǒ méi hē shuǐ | Ich habe kein Wasser getrunken |
| Ja/Nein-Frage | 你喝水吗? nǐ hē shuǐ ma? | Trinkst du Wasser? |
| A-nicht-A-Frage | 你喝不喝水? nǐ hē bu hē shuǐ? | Trinkst du Wasser (oder nicht)? |
Zeit wird mit Adverbien hinzugefügt, die VOR dem Verb stehen (今天 jīntiān heute, 明天 míngtiān morgen, 昨天 zuótiān gestern). Das Verb bleibt unabhängig davon in seiner Grundform.
Um wollen + Verb auszudrücken, stellt man 想 (xiǎng) vor das Verb. 想 bedeutet auch denken und vermissen (jemanden), aber direkt vor einem anderen Verb drückt es einen Wunsch oder eine Absicht aus, sanfter als das entschlossenere 要 (yào). Es gilt für jede Person ohne Formänderung.
| Subjekt | + 想 + Verb | Übersetzung |
|---|---|---|
| 我 wǒ | 我想去 wǒ xiǎng qù | Ich möchte gehen |
| 你 nǐ | 你想吃 nǐ xiǎng chī | Du möchtest essen |
| 他 / 她 tā | 他想学 tā xiǎng xué | Er/sie möchte lernen |
| 我们 wǒmen | 我们想看 wǒmen xiǎng kàn | Wir möchten schauen |
| 你们 nǐmen | 你们想买 nǐmen xiǎng mǎi | Ihr möchtet kaufen |
| 他们 tāmen | 他们想来 tāmen xiǎng lái | Sie möchten kommen |
Verneinung mit 不: 我不想去 (wǒ bù xiǎng qù) Ich möchte nicht gehen. Vergangener Wunsch: 当时 (dāngshí, damals) oder 那时候 (nà shíhou, zu der Zeit) hinzufügen; für Ich wollte, aber tat es nicht wird 本来想 (běnlái xiǎng, ursprünglich wollte ich) verwendet.
Fragen: 吗 ans Ende hängen oder A-nicht-A auf 想 selbst anwenden: 想不想 (xiǎng bu xiǎng, wollen oder nicht).
Tipps und Stolperfallen
- 想 + Verb = etwas tun wollen. 想 + Nomen = jemanden/etwas vermissen: 我想你 wǒ xiǎng nǐ Ich vermisse dich. Die Wortstellung zeigt die Bedeutung. - Für Ich würde gern (höflich) kann man mit 我想 + Verb + 一下 (yīxià, ein bisschen) abschwächen: 我想看一下 Ich würde gerne einen Blick werfen. - Vergleich mit 要 (yào), das stärker und entschlossener wirkt (ich will / ich werde), und mit 想要 (xiǎngyào, möchte haben), das näher an hätte gerne liegt.
Mandarin verwendet zwei Hauptmarkierungen für ein als geplant oder erwartet angesehenes zukünftiges Ereignis: 要 (yào) für alltägliche, nahe oder beabsichtigte Handlungen (im Begriff zu), und 将 (jiāng) für formales, schriftliches oder ankündigungsartiges Futur (wird, soll). Beide stehen direkt vor dem Verb; das Verb bleibt in seiner Grundform.
| Subjekt | + 要 + Verb | + 将 + Verb | Übersetzung |
|---|---|---|---|
| 我 wǒ | 我要走 wǒ yào zǒu | 我将离开 wǒ jiāng líkāi | Ich gehe / Ich werde gehen |
| 你 nǐ | 你要去 nǐ yào qù | 你将参加 nǐ jiāng cānjiā | Du gehst / Du wirst teilnehmen |
| 他 tā | 他要来 tā yào lái | 他将到达 tā jiāng dàodá | Er kommt / Er wird ankommen |
| 我们 wǒmen | 我们要吃饭 wǒmen yào chīfàn | 我们将出发 wǒmen jiāng chūfā | Wir essen / Wir werden aufbrechen |
| 他们 tāmen | 他们要回家 tāmen yào huíjiā | 他们将宣布 tāmen jiāng xuānbù | Sie gehen nach Hause / Sie werden ankündigen |
要 hat zwei Gesichter. Vor einem Verb kann es entweder wollen/müssen oder im Begriff sein (bald) bedeuten. Die Zukunftsbedeutung wird fast immer durch ein Zeitwort (明天 morgen, 下个月 nächsten Monat) oder das Paar 快要…了 / 就要…了 (gleich, mit abschließendem 了) verstärkt.
| Muster | Beispiel | Übersetzung |
|---|---|---|
| Einfaches Futur | 明天要下雨 míngtiān yào xià yǔ | Es wird morgen regnen |
| Unmittelbar bevorstehend (快要…了) | 火车快要到了 huǒchē kuài yào dào le | Der Zug kommt gleich an |
| Unmittelbar bevorstehend (就要…了) | 我就要走了 wǒ jiù yào zǒu le | Ich gehe gleich |
| Formal geschrieben | 大会将于明天召开 dàhuì jiāng yú míngtiān zhàokāi | Die Konferenz findet morgen statt |
Verneinung. Für 要 im Sinne eines Zukunftsplans: 不 verwenden (我不去 Ich gehe nicht). 不要 bedeutet meistens tu das nicht (Befehl) und nicht wird nicht. Für 将: 将不 (formal) oder mit 不会 (wird nicht) umformulieren.
Stolperfalle. 要 nicht mit 了 nach dem Verb kombinieren, um Zukunft + abgeschlossen auszudrücken; 了 steht für bereits geschehene Ereignisse. Für das unmittelbar bevorstehende Futur 快要…了 / 就要…了 verwenden.
Wo das Deutsche haben/sein + Partizip II verwendet, unterscheidet Mandarin zwei verwandte, aber verschiedene Muster: 了 (le) markiert ein abgeschlossenes oder realisiertes Ereignis, und 过 (guo) markiert eine vergangene Erfahrung (jemals X getan haben). Beide hängen direkt am Verb; das Verb selbst ändert sich nicht.
Abgeschlossene Handlung mit V + 了
| Subjekt | + Verb + 了 + Objekt | Übersetzung |
|---|---|---|
| 我 wǒ | 我吃了饭 wǒ chī le fàn | Ich habe gegessen |
| 你 nǐ | 你看了电影 nǐ kàn le diànyǐng | Du hast den Film geschaut |
| 他 tā | 他喝了茶 tā hē le chá | Er hat Tee getrunken |
| 我们 wǒmen | 我们买了书 wǒmen mǎi le shū | Wir haben Bücher gekauft |
| 他们 tāmen | 他们到了 tāmen dào le | Sie sind angekommen |
Mit 已经 (yǐjīng, schon) verstärkt: 我已经吃了饭 (wǒ yǐjīng chī le fàn) Ich habe schon gegessen. Der Rahmen 已经…了 kommt dem deutschen Perfekt am nächsten.
Erfahrungsbezogen mit V + 过
| Subjekt | + Verb + 过 + Objekt | Übersetzung |
|---|---|---|
| 我 wǒ | 我去过北京 wǒ qù guo běijīng | Ich war schon einmal in Peking |
| 你 nǐ | 你吃过寿司 nǐ chī guo shòusī | Du hast schon Sushi gegessen |
| 他 tā | 他看过这本书 tā kàn guo zhè běn shū | Er hat dieses Buch gelesen |
| 我们 wǒmen | 我们学过中文 wǒmen xué guo zhōngwén | Wir haben schon Chinesisch gelernt |
| 他们 tāmen | 他们见过她 tāmen jiàn guo tā | Sie haben sie schon getroffen |
Verneinung. Das abgeschlossene 了 wird mit 没 (méi) verneint und 了 weggelassen: 我没吃饭 (wǒ méi chī fàn) Ich habe nicht gegessen. Das erfahrungsbezogene 过 wird ebenfalls mit 没 verneint, aber 过 bleibt: 我没去过北京 (wǒ méi qù guo běijīng) Ich war noch nie in Peking.
Fragen. 吗 ans Ende hängen oder 没有 ans Ende setzen (Verb + 了 + … + 没有? / Verb + 过 + … + 没有?): 你吃了没有? Hast du schon gegessen?
Stolperfallen.
- 了 ist KEIN Vergangenheitsmarker. Gestern habe ich Reis gegessen (gewohnheitsmäßig oder unbestimmt) ist ohne 了 möglich: 昨天我吃米饭 Ich aß gestern Reis. 了 verwenden, wenn Abschluss oder Zustandswechsel das Wesentliche ist. - 过 betont die Lebenserfahrung (mindestens einmal, jemals); 了 betont, dass ein Ereignis stattgefunden hat (und abgeschlossen ist). - 已经…了 verpackt schon X und ist die sicherste Wahl für deutsche Perfekt-Übersetzungen.
Das deutsche können deckt drei verschiedene Arten von Fähigkeit und Erlaubnis ab, und Mandarin verwendet dafür drei verschiedene Wörter. Alle drei stehen direkt vor dem Verb und ändern ihre Form nicht.
| Hilfsverb | Verwendung | Beispiel | Übersetzung |
|---|---|---|---|
| 会 huì | erlernte Fertigkeit (man weiß, wie) | 我会开车 wǒ huì kāichē | Ich kann Auto fahren (ich weiß, wie) |
| 能 néng | körperliche Fähigkeit oder situative Möglichkeit | 我今天能来 wǒ jīntiān néng lái | Ich kann heute kommen |
| 可以 kěyǐ | Erlaubnis oder höfliches darf ich… | 你可以走 nǐ kěyǐ zǒu | Du darfst gehen |
Subjektparadigma (mit 会 als Modell; dasselbe Muster gilt für 能 und 可以)
| Subjekt | + 会 + Verb | Übersetzung |
|---|---|---|
| 我 wǒ | 我会说中文 wǒ huì shuō zhōngwén | Ich kann Chinesisch sprechen |
| 你 nǐ | 你会用筷子吗? nǐ huì yòng kuàizi ma? | Kannst du Stäbchen benutzen? |
| 他 tā | 他会做饭 tā huì zuòfàn | Er kann kochen |
| 我们 wǒmen | 我们会唱这首歌 wǒmen huì chàng zhè shǒu gē | Wir können dieses Lied singen |
| 他们 tāmen | 他们会游泳 tāmen huì yóuyǒng | Sie können schwimmen |
Auswahl zwischen den dreien
- 会 betont eine erlernte Fertigkeit (Sprachen, Instrumente, Autofahren). Ich kann schwimmen im Sinne von Ich weiß, wie = 我会游泳. - 能 betont körperliche Kapazität, Zeit oder Umstand. Ich kann heute schwimmen (das Bad ist geöffnet) = 我今天能游泳. - 可以 betont Erlaubnis oder soziale Möglichkeit (erlaubt / darf). Darf ich hier sitzen? = 我可以坐这儿吗? - 会 markiert auch Vorhersage / Wahrscheinlichkeit: 明天会下雨 míngtiān huì xià yǔ Es wird (wahrscheinlich) morgen regnen.
Verneinung. Mit 不 verneinen: 不会 (weiß nicht, wie / wird nicht), 不能 (kann nicht / unfähig), 不可以 (nicht erlaubt). Niemals 没 mit diesen Hilfsverben in der Gegenwart verwenden.
Fragen. 吗 hinzufügen oder A-nicht-A auf das Hilfsverb anwenden: 会不会 / 能不能 / 可不可以.
Für sanftere Wünsche, Vorlieben oder Bereitschaft bietet Mandarin eine kleine Familie von Hilfsverben an, die alle vor dem Hauptverb stehen und ihre Form nicht ändern.
| Hilfsverb | Sinn | Beispiel | Übersetzung |
|---|---|---|---|
| 想要 xiǎngyào | möchte haben / möchte tun | 我想要买一本书 wǒ xiǎngyào mǎi yī běn shū | Ich möchte ein Buch kaufen |
| 喜欢 xǐhuan | mögen (allgemeine Vorliebe) | 我喜欢看电影 wǒ xǐhuan kàn diànyǐng | Ich sehe gerne Filme |
| 愿意 yuànyì | bereit sein zu | 他愿意帮你 tā yuànyì bāng nǐ | Er ist bereit, dir zu helfen |
Subjektparadigma (喜欢 + Verb)
| Subjekt | + 喜欢 + Verb | Übersetzung |
|---|---|---|
| 我 wǒ | 我喜欢读书 wǒ xǐhuan dúshū | Ich lese gerne |
| 你 nǐ | 你喜欢游泳吗? nǐ xǐhuan yóuyǒng ma? | Schwimmst du gerne? |
| 他 tā | 他喜欢喝茶 tā xǐhuan hē chá | Er trinkt gerne Tee |
| 我们 wǒmen | 我们喜欢散步 wǒmen xǐhuan sànbù | Wir spazieren gerne |
| 他们 tāmen | 他们喜欢看球赛 tāmen xǐhuan kàn qiúsài | Sie schauen gerne Sport |
Auswahl zwischen den dreien
- 想要 ist das höfliche möchte. In Restaurants und Geschäften ist es die Standardbestellung: 我想要一杯咖啡 Ich hätte gerne einen Kaffee. Mit einem Verb drückt es einen sanfteren Wunsch aus als das bloße 要 (yào). - 喜欢 markiert eine stabile Vorliebe. Es kann von einem Nomen (我喜欢咖啡 Ich mag Kaffee) ODER einer Verbphrase (我喜欢喝咖啡 Ich trinke gerne Kaffee) gefolgt werden. - 愿意 betont Bereitschaft oder Zustimmung und erscheint oft in formalen, schriftlichen oder emotional gewichtigen Kontexten: 我愿意跟你结婚 Ich bin bereit, dich zu heiraten.
Verneinung. 不 vor alle drei: 不想要 (möchte nicht), 不喜欢 (mag nicht), 不愿意 (nicht bereit).
Höflichkeitstipps.
- In Servicekontexten (Restaurants, Läden) ist 我想要 + Nomen + 麻烦你了 (máfan nǐ le, Entschuldigung für die Mühe) freundlich und natürlich. - 想要 ist sanfter als 要; 要 allein kann in Servicekontexten abrupt wirken. - 愿意不愿意? klingt formal; für alltägliches Möchtest du? lieber 想不想 oder 要不要 verwenden.
Um eine gerade ablaufende Handlung (oder eine zu einem Referenzzeitpunkt laufende) zu markieren, stellt Mandarin 正在 (zhèngzài) oder 在 (zài) vor das Verb. Oft verstärkt am Satzende 呢 (ne) den Eindruck des Andauernden.
| Marker | Stärke | Beispiel | Übersetzung |
|---|---|---|---|
| 正在 + Verb | am deutlichsten, genau in diesem Moment | 我正在吃饭 wǒ zhèngzài chīfàn | Ich esse (gerade jetzt) |
| 在 + Verb | gebräuchlich, neutral progressiv | 他在看书 tā zài kàn shū | Er liest |
| Verb + 呢 | umgangssprachlich, etwas sanfter | 我看书呢 wǒ kàn shū ne | Ich lese (gerade, weißt du) |
| 正在 + Verb + 呢 | doppelt betont | 妈妈正在做饭呢 māma zhèngzài zuòfàn ne | Mama kocht (gerade jetzt) |
Subjektparadigma (在 + Verb)
| Subjekt | + 在 + Verb | Übersetzung |
|---|---|---|
| 我 wǒ | 我在听音乐 wǒ zài tīng yīnyuè | Ich höre Musik |
| 你 nǐ | 你在做什么? nǐ zài zuò shénme? | Was machst du gerade? |
| 他 tā | 他在睡觉 tā zài shuìjiào | Er schläft |
| 我们 wǒmen | 我们在等你 wǒmen zài děng nǐ | Wir warten auf dich |
| 他们 tāmen | 他们在开会 tāmen zài kāihuì | Sie sind in einer Besprechung |
Verneinung. Progressive Marker weglassen und 没(有) + 在 verwenden: 我没在睡觉 Ich schlafe nicht. Oder mit bloßem Verb + 没 für vergangene Verneinung umformulieren.
Fragen. 吗 ans Ende hängen: 你在工作吗? Arbeitest du gerade? 在 + 不 + 在 + Verb nur in festen Formen; häufiger: Hilfsverb weglassen und 你做什么呢? Was machst du? fragen.
Vergleich mit 着 (zhe). 在 / 正在 markiert eine sich entfaltende Handlung (dynamischer Prozess). 着 (nach dem Verb) markiert einen anhaltenden Zustand oder eine Hintergrundbedingung: 门开着 die Tür steht offen. Beide können in der Narration zusammen vorkommen: 他在床上躺着看书 er liegt im Bett und liest.
Stolperfalle. 在 (progressiv) nicht mit 了 beim selben Verb kombinieren; 了 markiert Abschluss, 在 markiert laufende Handlung. Die beiden Bedeutungen sind unvereinbar. Für die Vergangenheit ein Zeitwort + 在 verwenden: 昨天晚上八点我在看电视 Gestern Abend um 8 sah ich fern.
Mandarin markiert Aspekt (die innere Gestalt eines Ereignisses), nicht Tempus. 了 (le) nach einem Verb signalisiert eine abgeschlossene/realisierte Handlung: oft als Vergangenheit übersetzbar, eigentlich aber ‚fertig'. 过 (guo) markiert eine Erfahrung, die der Sprecher mindestens einmal im Leben gemacht hat (‚schon einmal X getan haben'). 着 (zhe) markiert einen anhaltenden Zustand oder eine Hintergrundhandlung: das Ergebnis bleibt bestehen. 在 (zài) VOR dem Verb markiert eine progressive Handlung, die gerade abläuft, wie das deutsche ‚gerade dabei sein zu …'. Diese vier sind nicht austauschbar: 我吃了 (‚Ich habe gegessen') ist etwas anderes als 我吃过 (‚Ich habe es schon einmal probiert') und als 我在吃 (‚Ich esse gerade').
Da Verben nicht konjugiert werden, stützt sich Mandarin stark auf Zeitausdrücke, um ein Ereignis zeitlich einzuordnen. Vergangenheit wird typischerweise durch eine vergangene Zeitangabe markiert (昨天 ‚gestern', 上个星期 ‚letzte Woche', 去年 ‚letztes Jahr'), oft kombiniert mit 了 oder 过, wenn Abschluss bzw. Erfahrung hervorgehoben werden. Zukunft wird durch eine Zukunftszeitangabe markiert (明天 ‚morgen', 下个月 ‚nächsten Monat'); 了/过 werden bei zukünftigen Ereignissen normalerweise NICHT verwendet. Zeitangaben stehen vor dem Verb, meist direkt nach (oder vor) dem Subjekt. Sobald ein Zeitrahmen einmal etabliert ist, bleiben die folgenden Verben im selben Gespräch in diesem Rahmen, ohne dass weitere Markierung nötig wäre.
Mandarin verwendet zwei Verneinungspartikeln, und die falsche zu wählen ist ein klassischer Anfängerfehler. 不 (bù) ist die allgemeine/gewohnheitsmäßige/zukünftige/absichtliche Verneinung: sie verneint Zustände, Gewohnheiten, Absichten und adjektivische Prädikate. 没 (méi, vollständige Form 没有 méiyǒu) verneint abgeschlossene Handlungen in der Vergangenheit UND das Verb 有 ‚haben'. Faustregel: Jede Handlung, die NICHT GESCHEHEN ist, nimmt 没; jeder Zustand, jede Vorliebe oder jeder Zukunftsplan nimmt 不. Man darf 没 niemals mit 了 kombinieren: die abgeschlossene Verneinung steht allein mit 没. Bei Adjektiven wird nur 不 verwendet (不好 ‚nicht gut'). Bei 有 wird nur 没 verwendet (没有钱 ‚kein Geld haben').
Ja/Nein-Fragen werden ganz einfach gebildet: Man hängt die Partikel 吗 (ma) ans Ende einer Aussage, ohne die Wortstellung zu ändern. Eine gleichwertige neutrale Form ist die A-nicht-A-Konstruktion: Man wiederholt das Verb oder Adjektiv mit 不 in der Mitte (是不是 ‚ist oder ist nicht', 好不好 ‚ist es gut oder nicht', 去不去 ‚gehen oder nicht'). Für W-Fragen verwendet Chinesisch das Fragewort AN DER STELLE, an der die Antwort stehen würde: es gibt KEINE Voranstellung. 什么 (shénme) ‚was', 哪儿/哪里 (nǎr/nǎlǐ) ‚wo', 谁 (shéi) ‚wer', 为什么 (wèishénme) ‚warum', 怎么 (zěnme) ‚wie', 什么时候 (shénme shíhou) ‚wann'.
Chinesisch hat keinen allgemeinen Pluralmarker. Ein Nomen wie 书 (shū, ‚Buch') ist mehrdeutig zwischen ‚Buch' und ‚Bücher': die Anzahl wird durch Zahlwörter + Zählwörter, durch Mengenangaben wie 很多 ‚viele' oder durch den Kontext angezeigt. Das Suffix 们 (men) EXISTIERT zwar, aber es hängt sich ausschließlich an BELEBTE Bezüge an: an Personalpronomen (我们, 你们, 他们) und an menschliche Nomen (朋友们 ‚Freunde', 老师们 ‚Lehrer', 同学们 ‚Mitschüler'). Man kann 们 nicht bei unbelebten Objekten verwenden (kein 书们) und man kann 们 nicht zusammen mit einer konkreten Zahl benutzen: ‚三个学生' (drei Studenten), niemals ‚三个学生们'. 们 wird für den allgemeinen oder kollektiven Bezug auf Personen verwendet.
是 (shì) ist das Verb ‚sein', aber sein Gebrauch ist deutlich enger als der des deutschen ‚sein'. Es setzt zwei Nomen gleich: ‚X ist (ein) Y'. Verwende 是, wenn beide Seiten des Satzes Nomen oder Nominalphrasen sind. ENTSCHEIDEND ist: Verwende 是 NICHT vor Adjektiven: chinesische Adjektive sind eigenständige Prädikate (siehe nächster Abschnitt). 我是高 für ‚Ich bin groß' zu sagen, ist ein klassischer Anfängerfehler. 是 wird auch zur Hervorhebung in der Konstruktion 是…的 (shì…de) verwendet, die ein bestimmtes Detail (Zeit, Ort, Art und Weise) einer vergangenen Handlung hervorhebt. Die Verneinung ist 不是 (bú shì): 没 wird mit 是 niemals verwendet.
Chinesische Adjektive verhalten sich wie vollwertige Verben: ‚好' allein kann ‚ist gut' bedeuten. Zwischen Subjekt und Adjektiv ist kein 是 nötig. Allerdings klingt ein nacktes adjektivisches Prädikat oft kontrastiv (‚X ist gut (aber Y nicht)'). Um eine neutrale Aussage zu machen, füllt Mandarin die Stelle mit 很 (hěn). Obwohl es wörtlich ‚sehr' bedeutet, ist 很 in dieser Konstruktion weitgehend ein leerer grammatischer Füller: 我很忙 bedeutet schlicht ‚Ich bin beschäftigt', nicht zwangsläufig ‚sehr beschäftigt'. Echte Hervorhebung erreicht man durch Betonung, durch 非常 (fēicháng) ‚äußerst' oder durch 太…了 (tài…le) ‚zu …'. In der Verneinung ersetzt 不 das 很: 我不忙 ‚Ich bin nicht beschäftigt'. In Fragen wird A-nicht-A direkt angewendet: 忙不忙?
Die 把-Konstruktion erlaubt es, das OBJEKT eines transitiven Verbs voranzustellen, um zu betonen, was MIT IHM geschieht: meist ein bestimmtes, konkretes Objekt, das durch die Handlung betroffen ist, bewegt oder verändert wird. Struktur: Subjekt + 把 + Objekt + Verb + (Ergebnis/Komplement). Das Verb darf nicht nackt stehen: es muss ein Ergebnis, eine Richtung, einen Ort, 了, eine Verdopplung oder ein anderes Komplement tragen. Verwende 把, wenn du angeben musst, wo das Objekt landet, in welchen Zustand es gerät oder wie damit verfahren wird. Du kannst 把 nicht mit Verben der Wahrnehmung, des Gefühls oder der Existenz verwenden (看见, 喜欢, 有). Die Verneinung (不/没) steht VOR 把.
Mandarin ist eine Tonsprache: Die Tonhöhenkontur einer Silbe ist Teil des Wortes, und eine Veränderung des Tons ändert die Bedeutung. Es gibt vier lexikalische Töne plus einen neutralen Ton. Ton 1 ist hoch und gleichbleibend (mā 妈 ‚Mutter'); Ton 2 steigt (má 麻 ‚Hanf'); Ton 3 sinkt zunächst und steigt dann (mǎ 马 ‚Pferd'); Ton 4 fällt scharf (mà 骂 ‚schimpfen'); der neutrale Ton ist kurz und unbetont (ma 吗, Fragepartikel). Dieselben Konsonanten und Vokale mit unterschiedlichen Tönen ergeben völlig unterschiedliche Wörter. Töne müssen mit jedem neuen Wort gelernt werden, und es gibt Tonsandhi-Regeln: zum Beispiel werden zwei aufeinanderfolgende dritte Töne zu steigend-dritter (3+3 → 2+3).